Archive | July 2013

Plenum – Termine in den kommenden Wochen

Bis Ende September findet das Aktionsplenum von move and resist nicht wie gewohnt wöchentlich statt.

An den folgenden Terminen könnt ihr uns im IBZ Bielefeld jeweils ab 18 Uhr antreffen:

  • 21. August
  • 04. September
  • 18. September

 

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Aufruf zur Demonstration für S.N. am Samstag, den 20.7.2013, 11:30 Uhr, Bruchstraße, Höhe Ameide, Wallgraben, Mühlenstr., Detmold

Am Donnerstag, 11. Juli 2013 wurde S. N.in der Asylunterkunft Heldmanstraße in Detmold überraschend und vor aller Augen verhaftet. Er wurde ins Abschiebegefängnis Büren verbracht und soll am 22. Juli nach Kasachstan abgeschoben werden, obwohl er eine freiwillige Ausreise vorbereitete.

Viele Menschen empfinden dieses Vorgehen der Stadt Detmold als erschütternd

S.N. lebt seit insgesamt 10 Jahren in Deutschland. Seit 2008 lebt er durchgehend in Detmold und kooperiert mit der Ausländerbehörde. Er ist 66 Jahre alt und 2003 als damaliger Oppositionspolitiker aus Kasachstan geflohen. In den letzten Jahren hat er sich auch für Asylbewerber in Detmold und in Lippe engagiert.

Nachdem zwischenzeitlich deutlich geworden, dass das deutsche Ausländerrecht ihm kein dauerhaftes Bleiben in Deutschland ermöglichen wird, plante er zuletzt eine freiwillige Ausreise. Nach einem Vorgespräch im April sollte entscheidender Botschaftstermin in Berlin am Freitag, 19. Juli stattfinden, um mögliche persönliche Sicherheiten abzuklären.

Eine Stunde vor einem vereinbarten Vorsprechen beim Ausländeramt wurde S.N. am 11. Juli in aller Öffentlichkeit der Asylunterkunft verhaftet und in Abschiebehaft genommen. Das Haus wurde umstellt, er durfte nichts mitnehmen, auch nicht Brille oder Adressbuch. Die Abschiebung ist für kommenden Montag (22.7.) fest terminiert. Die Option einer geordneten Ausreise mit Sicherheitsgarantien ist jetzt zerstört, selbst die Möglichkeit einer Weiterreise in ein anderes Land ist verhindert. Gefängnis im Herkunftsland droht konkret.

Bei einer kurzfristig angesetzten Mahnwache auf dem Detmolder Marktplatz drückten am Montag, 15. Juli über 100 Menschen ihre Erschütterung über dieses Handeln aus. Sie forderten von der Stadt Detmold:

S. N.muss unverzüglich aus der Abschiebehaft freigelassen werden!

Die Abschiebung am 22.7. muss ausgesetzt werden.

Wenn nichts anderes mehr geht muss zumindest eine freiwillige Ausreise ermöglicht werden.

Die Gespräche mit der Stadt Detmold laufen sehr stockend. Bisher hat diese keinerlei Signale gesendet, eine Freilassung aus der Abschiebehaft und eine humanitäre Lösung ermöglichen zu wollen. Im Gegenteil steht zu befürchten, dass die Abschiebung am kommenden Montag wirklich durchgeführt werden soll.

Darum ruft die Flüchtlingshilfe Lippe e.V. stellvertretend für viele Unterstützer/innen von S.N. zu einer Demonstration am kommenden Samstag, 20.Juli 2013 auf, mit der die Anliegen noch einmal bekräftigt werden sollen.

Die Demonstration beginnt um 11.30 Uhr mit einer Auftaktkundgebung am Detmolder Bruchberg. Nach einem Marsch durch die Innenstadt und an der Ausländerbehörde vorbei findet die Abschlusskundgebung an der Kreuzung Lange Str./Externstr./Krumme Straße statt.

FILM SCREENING ‘REVISION’

***German below***

Friday, 19 July 2013
6 pm,
Bürgerwache (near Sigfriedplatz)

In 1992 two Roma with Rumanian citizenship are shot by hunters shortly after they crossed the german-polish border, in a corn field in the North East of Germany. The hunters state that they have mistaken these persons for wild boars. They are acquitted. But some ambiguities raise concern on this simple confusion. Who gave the curious warning shortly before the night of the crime? How much did the police know? Why non of the relatives was ever informed about the process, let alone compensated? The case seems to never have been solved entirely.

The film “Revision” by Philip Scheffner (2012) tried to trace these contradictions and to unravel the case once more. Policemen, a pathologist, a defending lawyer, a state prosecutor, and a journalist, as well as relatives in Rumania are interviewed during the research on an occurrence that happned already twenty years ago.

This comprehensive reconstruction takes place against the background of the historical events in Germany at the beginning of the 1990s and the racist excesses in Rostock-Lichtenhagen in August 1992. With their death at the borders of the European Union, the two persons become part of the history of the European securitization discourse, which approves eventually such deaths as collateral damages.

The film can be presented with English or German subtitles.
Entry free.
More information: http://www.revision-film.eu/

FILMVORFÜHRUNG ‘REVISION’

Freitag, 19. Juli 2013
18.00 Uhr
in der BürgerInnenwache/Siegfriedplatz

Im Jahr 1992 werden zwei Roma rumänischer Staatsbürgerschaft kurz nach dem Überschreiten der deutsch-polnischen Grenze in Mecklenburg-Vorpommern in einem Getreidefeld von Jägern erschossen. Die Jäger geben an, die Personen für Wildschweine gehalten zu haben. Sie werden freigesprochen. Doch einige Ungereimtheiten lassen Zweifel an der schlichten Verwechslungsgeschichte aufkommen. Von wem kamen die eigentümlichen Warnungen kurz vor der Tatnacht? Wie viel wusste die Polizei? Warum wurden Angehörige nie über den Prozess informiert, geschweige denn entschädigt? Der Fall scheint nie vollständig aufgeklärt worden zu sein.

Der Film „Revision“ von Philip Scheffner (2012) versucht, diesen Ungereimtheiten nachzugehen und den Fall noch einmal aufzurollen. Polizisten, ein Pathologe, ein Verteidiger, ein Staatsanwalt und Journalisten sowie nie zuvor befragte ZeugInnen und die Familienangehörigen in Rumänien kommen während der Recherchen über den bereits 20 Jahre zurückliegenden Fall zu Wort.

Diese umfassende Rekonstruktion geschieht dabei vor dem Hintergrund des Zeitgeschehens Anfang der 1990er Jahre und der rassistischen Ausschreitungen im August 1992 in Rostock-Lichtenhagen. Mit der Nachricht über ihren Tod an der Grenze zur Europäischen Union werden die erschossenen Personen zu einem Teil der Geschichte des europäischen Sicherheitsdiskurses, welcher diese als Kollateralschäden in Kauf nimmt.

Der Film kann mit englischen oder deutschen Untertiteln gezeigt werden.
Der Eintritt ist selbstverständlich frei.
Weiter Informationen zum Film findet ihr unter: http://www.revision-film.eu/